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Willkommen in Sulzbach im Hunsrück

Head Sulzbach

Geschichte

Sulzbach, das kleine Dorf auf einer Hochfläche unweit des Idarwaldes gelegen, wurde 1563 erstmals erwähnt. Zu dieser Zeit wohnten hier 26 Familien, die verschieden Adelsherren und dem Erzbischof von Trier zu Untertan waren. Das Dorf entwickelte sich gut, insbesondere durch die ansässigen Orgelbauer Stumm, so dass man 1786 von Sulzbach als der wohlhabendsten Gemeinde des trierschen Amtes sprach. Neben der Landwirtschaft waren die verschiedensten Handwerksberufe im Ort zu finden. Auch befand sich bis 1820 das Amtsgebäude des Verwaltungsbezirks Rhaunen in dem kleinen prosperierenden Hunsrückdorf.

Im Jahr 1815 zählte man in Sulzbach immerhin schon 177 Einwohner, 87 Wohnhäuser, viele Wirtschaftsgebäude, eine Kirche und Schule und auch 2 Gastwirtschaften. Neben der dominierenden Landwirtschaft gingen viele Bauern nebenbei einem Handwerk nach. So fanden sich in Sulzbach Schreiner, Stellmacher, Küfer, Schneider, Maurer, Anstreicher, Orgelbauer und ein Schmied. Außerdem fanden einige ein Auskommen als Schieferbrecher in den Schieferbergwerken der Umgebung. Wie es zu dieser Zeit üblich war, mussten alle Wege zu Fuß zurückgelegt werden.

Obwohl fast jedes Anwesen einen eigenen Brunnen zur Wasserversorgung hatte, baute Sulzbach 1907 in Eigenarbeit eine Wasserleitung, die von der Heiliggeistquelle im Idarwald über Heuchelheim nach Sulzbach führte. Nachdem 1922 ein Verteilerbassin auf Heuchelheim errichtet wurde versorgte diese „Wasserader“ auch die Nachbargemeinden Bollenbach und Bundenbach.

Gemeinschaftshaus Leider blieb das kleine Hunsrückdorf auch nicht von Leid und Schmerz verschont. So waren allein in den Jahren 1891-1892 mehr als 30 Opfer durch die Seuchen Typhus und Cholera zu beklagen.
Auch die beiden Weltkriege verschonten Sulzbach nicht und forderten einen hohen Blutzoll. 1914 zählte man 335 Einwohner von denen 17 junge Männer im Felde blieben. Ihnen zu Ehren wurde auf dem Friedhof 1929 ein Ehrenmal errichtet. Der Wahnsinn des 2. Weltkrieges forderte ein noch höheren Tribut an Menschenleben. 25 junge Männer und eine Frau hatte man zu beklagen. Es gab Familien, in denen kein Mann nach Hause zurückkehrte. Dorthin, wo die Frauen während dieser harten und entbehrungsreichen Zeiten die Last von Familie und Landwirtschaft alleine zu tragen hatten. Am 18. März 1945 rollten amerikanische Panzer ins Dorf, das sie fast komplett verlassen vorfanden.

Erst nach und nach kamen dann die Einwohner im Schutze der Dunkelheit aus ihrer Zuflucht, einem Bergwerkstollen, in ihre Häuser zurück. Sulzbach wurde der französischen Besatzungszone zugeteilt. Der Krieg, der soviel Unheil über die Menschen gebracht hatte, war endlich vorbei. Doch die Not war damit noch nicht zu Ende.

In den harten Nachkriegsjahren wurde das Leben durch viele Abgaben an Vieh und Naturalien erschwert. Um den Flüchtlingen ein „Zuhause“ zu geben, baute die Gemeinde 1951 ein Flüchtlingshaus, das samt Scheune und „Stierstall“, hier waren die gemeindeeigenen Deckbullen untergebracht, im Jahre 1986 in den Bau des heutigen Gemeinschaftshauses integriert wurde.

Die Schule...

Natürlich gab es im Dorf auch eine Schule. Die Namen der Lehrer, die den Kindern aus Sulzbach und in den Jahren 1818-1828 auch denen aus Bollenbach „Lesen, Schreiben und Rechnen“ beibrachten sind bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt. Die Dorfschule befand sich bis Ende 1915 in der Mitte des Ortes. Am 3. Januar 1916 wurde ein neues Gebäude in der Kirchstraße eingeweiht und diente dann bis zum Sommer 1972 als Schulhaus. Seit dieser Zeit besuchen die Kinder die Grund– und Hauptschule in Rhaunen oder weiterführende Schulen.

Auch die Post ist da...

Walter StummSeit 1887 verfügt Sulzbach über eine Poststelle, die erst nur als eine Posthilfsstelle von Rhaunen und später als echte Poststelle betrieben wurde. Von 1894 bis 1985 wurde der zuerst ehrenamtliche Postdienst von der Familie Stumm geleistet, die „nebenbei“ auch noch ein umfangreiches Lebensmittel– und Haushaltswarengeschäft führte. 1903 bekam Sulzbach auch seine erste öffentliche Fernsprechstelle. Wo sollte es anders sein, im Hause der Familie Stumm. Nun war man auch via Telefon mit der großen weiten Welt jenseits der Hunsrückhöhen verbunden...
 

Vom Mehl mahlen…

In früherer Zeit musste das Korn der Bauern, das zum Brotbacken verwendet wurde, da es in Sulzbach keinen Bachlauf gab, der ausreichend Wasser führte in den Mühlen der Nachbargemeinden gemahlen werden. Als dann jedoch die Elektrizität 1921 in Sulzbach Einzug hielt, wurde eine Mühlengesellschaft gegründet, die 1924 eine Mühle an der Hauptstraße erbaute. Das Mahlwerk dieser Getreidemühle, die heute, restauriert zu besichtigen ist, wurde mit einem Elektromotor betrieben. Man war also unabhängig von der Wasserkraft und konnte so Tag und Nacht Brotmehl, Weißmehl u.a. herstellen.

Mühle In der kargen, aber gemütlichen, gut geheizten Mühlenstube trafen sich oft die Bauern zum Plausch und pflegten so die Gemeinschaft.

Das Mehl wurde später in den privaten Backöfen, ein Gemeinschaftsbackhaus gab es nicht, zu Brot, Kuchen und anderen Leckereien.

Ende der 90iger Jahre verwandelte die Erneuerung der kompletten Kanalisation, der Ortsstraßen, der Straßenbeleuchtung und des Dorfplatzes Sulzbach für mehrere Jahre in eine Großbaustelle. Doch das Ergebnis kann sich sehen lassen. Das heutige Erscheinungsbild des Ortes hat sich nach dieser rundum Erneuerung sehr zum Positiven gewandelt.

 

Die Stumm's

Der Schmied Christian Stumm, ein Sohn des Hans Stumm, war Ausgangspunkt für die Entwicklung zweier bedeutender Familienunternehmen, die es in der Montanindustrie und im Orgelbau zu Weltgeltung gebracht haben.

Der Eisenzweig (Hüttenwesen/Montanindustrie)

Johann Nikolaus, Christians Sohn, hatte wie sein Vater das Schmiedehandwerk erlernt. Auf seinen Reisen sah er wie Roheisen aus Eisenerz hergestellt wurde. Die Idee, selbst Eisen aus Erz zu gewinnen, und so über den Rohstoff, den er für sein Schmiedehandwerk so dringend brauchte, selbst zu verfügen, lies ihn nicht mehr los. So gründete er nach einiger Zeit eine eigene Eisenhütte auf dem Birkenfeld bei Schauren. Es folgte ein Hammerwerk, in dem das Roheisen geschmiedet und weiterverarbeitet werden konnte. Mit Gründung dieser beiden Unternehmen war der erste Schritt getan. Seine Söhne und Verwandten, die alle den gleichen Beruf erlernten, kauften und gründeten in der Folgezeit viele „Hämmer-“ und Hüttenwerke im ganzen Hunsrück. Manche Ortsnamen zeugen heute noch von der unternehmerischen Tätigkeit zur damaligen Zeit ( Schippenhammer, Hammer Birkenfeld..).

Gezwungen durch preisgünstigere Konkurrenz im Saarland und im Ruhrgebiet, gründeten die Folgegenerationen große Eisenhütten im Saarland und legten die unrentabel gewordenen heimischen Betriebe im Hunsrück still. Sie wurden zu den Begründern der Stumm-Halberg‘schen Hüttenwerke in Saarbrücken und Neunkirchen. Die Nachfahren wurden später als Freiherr von Stumm-Halberg geadelt. Aus dem kleinen Hunsrückdorf Sulzbach innerhalb von wenigen Generationen zum „geadelten“ Stahlbaron an der Saar.

Die Orgelbauer

Stumm OrgelJohann Michael, der jüngste Sohn Christians, erlernte in jungen Jahren das Handwerk des Goldschmieds. Auf der üblichen Wanderschaft als Geselle, die ihn bis in die Schweiz brachte, machte er in Straßburg im Elsass die Bekanntschaft des berühmten Orgelbaumeisters Silbermann und ging dort einige Zeit in die „Lehre“. Nach seiner Rückkehr gründete er mit seinem Bruder eine Werkstatt, in der sie anfänglich nur alte Orgeln erneuerten. Auf weiteren Reisen verfeinerte Johann Michael sein Wissen und seine Kunstfertigkeit bei anderen Meistern so weit, dass er 1717 in der Lage war, eine eigene, neue Orgel für die Kirche in Kirchberg zu fertigen. Die erste von fast 400 Orgeln, die die Stummschen Orgelbauwerkstätten bis in Jahr 1986 verlassen sollten. 1746 schenkte Johann Michael seiner Heimatgemeinde eine wunderschöne 2-manualige Orgel mit 23 Registern, die wie ein Schwalbennest über dem Alter in der kleinen Sulzbacher Dorfkirche hängt. Es sollte sein letztes Werk sein, 1747 verstarb der Meister. Jedoch hatte er rechtzeitig das Feld bestellt. Vier seiner Söhne hatten bei ihm das Orgelbau-Handwerk erlernt und wurden selbst zu berühmten Orgelbaubern. Sie gründeten 2 weitere Werkstätten in Kastellaun und Emerich am Niederrhein. Sie und die nachfolgenden Generationen schufen bis zum Jahr 1896 noch viele berühmte Werke, von einmaliger Klangfarbe und Schönheit. Die größte Stumm-Orgel schmückt die Abteikirche zu Amorbach im Odenwald. Eine weitere berühmte Orgel ist die „Mozart-Orgel'“ in Kirchheimbolanden, auf der Mozart gespielt hat. Ab 1896 wurden dann nur noch Orgeln repariert, bis in den zwanziger Jahren diese alte Familientradition durch den Tod von Friedrich (1921) und Karl Stumm (1926) dann ganz erlosch. Ihre Nachkommen zeigten leider kein Interesse das Orgelbauer Handwerk zu erlernen. Die vielen Stumm-Orgeln, von denen heute noch ca. 200 erhalten sind, werden und wurden auf Grund ihrer hohen Qualität, beruhend auf der Feinheit der Metall- und Holzverarbeitung, sehr geschätzt und machten die Stummschen Orgelauwerkstätten weithin berühmt. Orgeln aus dem Hause Stumm brauchten den Vergleich mit Werken anderer berühmter Orgelbaumeister nicht zu scheuen.
Weitere Informationen auf www.stumm-orgelverein.de

Die Kirche
Die kleine Sulzbacher Kirche, der Mittelpunkt des Ortes, kann auf eine mehr als 500 jährige bewegte Geschichte zurückblicken. Die ältesten Teile stammen dabei aus dem Jahre 1367. Die Kirche war wohl in diesen Zeiten von einem Friedhof umgeben, was Gräberfunde belegen. Nebst der Kapelle zu Heuchelheim gehört die Sulzbacher Kirche zur Pfarrei Rhaunen und wurde leider in den Kriegen auch nicht verschont. Erstmalig im letzten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts wurde größerer Schaden durch die französischen Truppen Kaiser Napoleons angerichtet. So war eine Renovierung von Kirche und Orgel 1819 dringend notwendig.

1933 wurde eine erneute Innenrenovierung notwendig bei der auch eine mit Koks beheizte Warmluftheizung eingebaut wurde. Im Jahre 1957 wurde direkt neben der Kirche das evangelische Gemeindehaus gebaut, das bis heute für vielerlei Familien– und Vereinsfeste genutzt wird. 1961 war dann erneut eine rundum Sanierung geboten, bei der auch die Kirchenuhr erneuert wurde. Durch einen finanziellen Kraftakt besonderer Art konnte 1980/81 die Restaurierung der wertvollen Stumm Orgel (1746) in Auftrag gegeben werden. Im November 1981 nach einer mehr als einjährigen Abstinenz konnte die Gemeinde während eines Festgottesdienstes wieder ihrer Orgel lauschen, die prächtiger und klangvoller denn je präsentierte. Seit dieser Zeit finden auf dem imposanten Instrument Orgelkonzerte von überregionaler Geltung statt, veranstaltet durch den „Stumm Orgelverein“.

KircheAuch die 2 bronzenen Sulzbacher Glocken, die seit dem 19. Jahrhundert die Gläubigen zur Kirche riefen, waren in den Weltkriegen begehrt. So fiel die Größere dem 1. Weltkrieg zum Opfer, ihre Schwester wurde im 2. Weltkrieg eingeschmolzen. Ersatz für die bronzenen Kunstwerke waren 2 Stahlglocken, die kurz nach dem 1. Weltkrieg und 1955 eingebaut wurden. Bis in die heutige Zeit hat sich in Sulzbach der alte Brauch des „Zehnuhrläutens“ gehalten. In der Zeit vom 1. November bis 1. März läuten jeden Abend um 22 Uhr die Glocken um den verirrten Wanderern in Dunkelheit und Schnee eine Orientierung zu geben.

Seit Ende des 18. Jahrhunderts (1778) betreuten 18 verschiedene Pfarrer die Sulzbacher Kirchengemeinde und begleiteten die Gläubigen auf ihrem Lebensweg.

Die längste Amtszeit hatte Herr Pfarrer Theodor Haberkamp zu verzeichnen, der von 1886 bis 1931, also fast sein ganzes Leben, der evangelischen Kirchengemeinde Rhaunen-Sulzbach widmete.
Heute ist die Kirchengemeinde Sulzbach pfarramtlich verbunden mit der Kirchengemeinde Rhaunen-Hausen, Pfarrerin ist Anja Zimmermann, weitere Informationen unter
www.evangelische-kirchengemeinde-sulzbach.de

EhrenmalIhre letzte Ruhestätte finden die Gemeindemitglieder auf dem Friedhof an der „Kirner Straße“, der im Jahre 1904 von der Gemeinde erweitert wurde. 1970 wurde hier eine neue Leichenhalle erbaut, in der bis heute die Verstorbenen aufgebahrt werden und von der aus die Trauerfeier stattfindet. Mittelpunkt des Friedhofs bildet das 1929 errichtete Ehrenmal, mit dem der Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege gedacht wird. 2004 trug die Gemeinde dann auch den immer häufiger auftretenden Feuerbestattungen Rechnung, indem sie erstmalig ein „Urnenfeld“ und seit 2016 auch „Wiesenurnengrabfelder“ auswies.
 

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